Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen
Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen

Radio ist mehr als Musik

Ein Medienprojekt für die Grundschule und Kinderhorte

 

„Das Ohr ist das Tor zur Seele“ (Joachim-Ernst Berendt)

 

 

Das Medium Radio gehört zum Medienrepertoire von Kindern im Grundschulalter. Bereits über die Hälfte der Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren zählen zu den regelmäßigen Radiohörern und mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit der Radionutzung sowie der Anteil der Radionutzer. Dabei spielt vor allem die Musik eine große Rolle, neue Songs, die aktuellen Charts, Informationen über die eigenen Stars und die Musikszene (vgl. KIM 2014). Zugleich wird das Medium Radio in der Aussage von Kindern allerdings als das Medium wahrgenommen, das überwiegend mit den Eltern gemeinsam genutzt wird. Im Vergleich zum kontinuierlichen Anstieg der täglichen Radionutzung bis 2012, stellt die KIM-Studie 2014 nun einen Rückgang der Nutzungsfrequenz um 4% fest.

Für die Nutzung von Hörbüchern oder Hörspielen lässt sich laut KIM-Studie 2014 Ähnliches feststellen. Das bewusste Zuhören während einer Sendung, ebenso wie der Konsum von Hörspielen sind rückläufig. Im Alter von 6 – 7 Jahren werden Hörbücher und Hörspiele noch von 37% der Kinder gehört, während es bei der Altersgruppe der 10 – 11 Jährigen lediglich 14 % sind, die in ihrer Freizeit Geschichten anhören. Gute Angebote für ein für Kinder interessantes Radio oder eine Kinderradiosendung sind selten und müssen ganz bewusst gesucht werden. Bei Jugendlichen zwischen 14- und 19 Jahren steigt die Frequenz der Radionutzung deutlich an und wird zur wichtigsten Medientätigkeit (JIM-Studie 2014). Dabei dient das Radiohören der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Durch das Hören bestimmter Sender und deren Angebote entwickeln Jugendliche eigene hörästhetische Stile und setzen mit der bewussten Wahl einer Musikrichtung ein Zeichen bei der Zuordnung zu verschiedenen Gruppen oder Szenen. Das klassische Radiogerät spielt bei der Entdeckung der Musikwelt immer noch die größte Rolle im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten des Radiohörens und Musikstreamens über das Internet von Tablet oder Computer und vor allem das Smartphone.

Hörmedien schaffen einen Rahmen für das Ausleben von Stimmungen und Gefühlen (Mood Management). In der Gruppe und alleine, bei guter wie bei schlechter Laune beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit Hörmedien, die dann dem "Stimmungschaffen" dienen (Bewegung und Tanz, Entspannung, Besinnung auf sich selbst, wieder in Stimmung kommen, Tagtraum, Unterhaltung u.v.m.). Das Angebot der Hörmedien wird heute in Serie und mit vielen Vermarktungsmöglichkeiten hergestellt. Mediensymbole, Trick- und Helden-Figuren sind überall zu finden: auf dem Tonträger, in der Musikzeitschrift, auf dem T-Shirt, der Bettwäsche und dem Joghurtbecher.

Kinder und Jugendliche akzeptieren den Medien- und Konsummarkt und versuchen, sich in diesem möglichst selbständig zu bewegen. Vor allem die Gruppe der Gleichaltrigen, aber auch das Werbefernsehen hilft, "in" zu sein. Gespräche darüber und Informationen helfen bei der Suche und Entwicklung der eigenen Identität. Die Vorlieben der Kinder für bestimmte Programme und Medienstars sollten deshalb unbedingt ernst genommen werden. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit einer aktiven Rezeption. Um das zu erreichen, entwickeln und produzieren Kinder in diesem Projekt ein Hörspiel eigenständig und erfahren, was es bedeutet Intentionen in Töne und Klänge zu codieren oder wie man über Schnittverfahren, digitale Effekte, eigene selbst produzierte und verfremdete Geräusche und Musikeinsatz bestimmte Gefühle beim Zuhörer und der Zuhörerin auslöst.

Das Ergebnis ist eine Kompetenzsteigerung der eigenen Reflexion bezüglich der Medieninhaltsaufnahme und der Ausdrucksfähigkeit. Kinder verstehen dann wie Radio und Hörmedien funktionieren und werden zu aktiven Mediennutzern.
Sie lernen die hergestellte künstliche Wirklichkeit von Medien zu unterscheiden von der von ihnen selbst erlebten Wirklichkeit. Medienkompetenz wird in diesem Projekt als die Kompetenz erfahrbar, geübt und gelernt, die die Inszenierungen von manipulierten Wirklichkeiten in medialen Produktionen, vorrangig dem Medium Radio, aber zugleich übertragbar auf alle Informationsmedien von Social Media über Fernsehen bis hin zur Tageszeitung, aufdeckt und durch die Selbstproduktion eines Medialen Produkts in einen eigenen Erkenntnisbereich transformiert.

 

DIE ZIELGRUPPE:

GRUNDSCHULKINDER IM ALTER VON 6 – 10 JAHREN

Mit dem Projekt „Radio ist mehr als Musik“ wird Kindern im Grundschulalter ein von ihnen selbstverständlich aber nicht absichtsvoll und bewusst genutztes Medium nähergebracht. Es geht um das bewusste Zuhören, um die absichtsvolle und aktive Rezeption, letztlich um die Förderung der Medienkompetenz anhand des beispielhaft ausgewählten Mediums Radio.

Kinder haben in vielen Fällen Probleme mit kognitiven Fähigkeiten, wie z.B. Sprechen, Lesen oder Schreiben. Meistens wird dafür der Medienkonsum verantwortlich gemacht. Der handlungsorientierte Ansatz des Projektes fördert die Kompetenzen der Kinder, die Medieninhalte differenzierter zu betrachten und zu erkennen.

Sie erlernen die Möglichkeiten von alternativen Ausdrucksmöglichkeiten, welche ihnen die mediale Kommunikation bietet.
Der aktive Umgang mit auditiven Medien ermöglicht ihnen individuelle, neue Ausdrucksformen und mediale Herangehensweisen. Damit können sie mit sich selbst und ihrer Umwelt in Kommunikation und Kontakt treten.

 

DAS RADIOPROJEKT IM ÜBERBLICK:
Das Projekt „Radio ist mehr als Musik“ beinhaltet jeweils Angebote für LehrerInnen

und ErzieherInnen, Kinder und Eltern/Erziehungsberechtigte.

1. Fortbildung - Vorbereitung und Nachbereitung
2. Praxistage - Hörspielproduktion inklusive Live-Radiosendung 3. Elternabend

 

PROJEKTRAHMEN

Alle Projektangebote werden in einem vorgegebenen Zeitraum an Grundschulen und Kinderhorten durchgeführt.
Das Projekt richtet sich an Kinder im Grundschulalter, Mädchen und Jungen im Alter zwischen 6 - 10 Jahren

Jeweils zwei bzw. drei MedienpädagogInnen führen die Praxistage mit den Kindern durch. Ziel ist die Produktion eines Hörspiels.
In der Fortbildung werden den Klassenlehrern und Klassenlehrerinnen bzw. Erzieherinnen und Erziehern die notwendigen Kompetenzen vermittelt und später in den gegenseitigen Lernprozessen zwischen Lehrenden bzw. Erziehenden und Kindern vertieft.

Das von den Kindern selbst produzierte Hörspiel wird zum Abschluss des Projekts in einem Nichtkommerziellen Lokalen (NKL) Radiosender vor Ort in einer Livesendung mit den Kindern gemeinsam gesendet. Dabei werden die Kinder selbst zu Radiomachern. Sie sind die Akteure ihrer eigenen Sendung, berichten aus ihren Erfahrungen innerhalb des Projekts und aus ihrem Alltag, ihrer Lebenswelt und ihrer Schule.

Da das Mediennutzungsverhalten von Kindern sehr stark durch das familiäre Umfeld geprägt ist, gehört zu dem Projekt die Einbeziehung der Eltern. Hier wird über die Medienerziehung innerhalb von Familie aufgeklärt und über aktuelle Fragen und Problem zu diskutieren.

 

 

DIE PROJEKTANGEBOTE IM ÜBERBLICK:

1. Fortbildung

Die LehrerInnen und ErzieherInnen bekommen zum Projekt eine Einführung in medienpädagogische handlungsorientierte Ansätze und die Grundlagen der technischen und ästhetischen Kompetenzen werden vermittelt. Im theoretischen Teil der Fortbildung wird das Hören und die Wirkung digitaler Audioproduktionen zum Gegenstand der Reflexion und Analyse. Ziel der Fortbildung ist neben theoretischem Wissen auch der Umgang und gezielte Einsatz von Medien in der Praxis der schulischen und außerschulischen Arbeit. Die TeilnehmerInnen erhalten im Praxisteil der Fortbildung eine Einführung in die digitale Audioproduktion, vom Erstellen eines Skripts über die Durchführung von digitalen Audioaufnahmen, dem digitalen Audioschnitt, der Montage bis zur Postproduktion.

Daneben geht es in der Fortbildung um Fragen des erzieherischen Kinder- und Jugendmedienschutzes und aktuelle Probleme und Fragen aus dem schulischen Alltag. Gemeinsam werden Lösungsansätze diskutiert.

Digitale Bildung wird nach Vorgabe der Kultusministerkonferenz vom Dezember 2016 zur Schlüsselkompetenz und zentralen Aufgabe von schulischer Bildung und Ausbildung als Vorbereitung für die Arbeitswelt 4.0 und soll in den Lehrplänen von Grundschulen und weiterführenden Schulen verankert werden. Wie können Grundschulen Medienbildung in ihr Curriculum einbauen? Welche Möglichkeiten medienpädagogischer Praxis gibt es für Grundschulen? Was heißt grundsätzlich digitale Bildung im Kontext von Grundschule? In der Fortbildung werden aktuelle für Schule relevante Themenstellungen und Konzepte vorgestellt und diskutiert,

2. Praxistage: Produktion eines Hörspieles

Ziel des Projektes ist es, Medienkompetenz über die Produktion eines Hörspiels zu erlangen.
Das Hörspiel wird von Anfang an von den Kindern nach eigenen Interessen und Bedürfnissen gestaltet: d.h. Thematik, Geräusche, Sounds und Montage werden eigenständig (mit der Unterstützung der Medienpädagogen) inszeniert.

 

Das alles erfordert technisches Verständnis und Wissen über Wirkung von Klängen, Aufbau von Klangstrukturen und Montageformen. Diese sollen über praktische Übungen vermittelt werden, damit ein unabhängiges Gestalten gewährleistet wird. Die Kinder erhalten so in jeden einzelnen Schritt des Prozesses der Hörspielproduktion einen Einblick und können sich nach persönlichem Interesse engagieren.

Während des gesamten Projekts werden Reflektionen über die eigenen Medienwelten und Medieninteresse einbezogen. So wird den Kindern die Übertragung des Gelernten in ihre eigene Lebens- und Medienwelt ermöglicht.
Die Produktion des eigenen Hörspiels wird ausschließlich von den Kindern selbst vorgenommen, von der Idee eines Themas über die Gestaltung der eigenen Geschichte, der Sprachaufnahmen, der Suche nach Geräuschen, dem digitalen Schnitt und der Bedienung des Schnittprogramms wird der komplette Prozess der Hörspielproduktion von den Kindern selbst gestaltet und durchgeführt.

3. Elternabend

Kinder nutzen Medien als erstes und am häufigsten innerhalb der Familie, zuhause. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, einen Elternabend als Teil des Projekts durchzuführen, d.h. die Eltern in ihrer Aufgabe als für die Medienerziehung Verantwortlichen ernst zu nehmen und zu unterstützen.

Entweder kann der Elternabend der Projektwoche vorangestellt werden, um Fragen der Eltern beantworten zu können oder das Produkt wird auf einem Projektabschließenden Elternabend von den Projektteilnehmern präsentiert. Die Kinder erleben in dieser Phase eine besondere Wertschätzung ihrer Arbeit und identifizieren sich verstärkt mit dem Produkt und damit auch mit den Prozessen der Projektwoche. Die gelernten Aspekte bekommen somit weitere Nährstoffe um sich in den Persönlichkeiten der Kinder zu entfalten.

Ebenfalls werden in dieser Projektphase Informationen zur Mediennutzung von Kindern und Familie miteinbezogen. Den Eltern wird die Möglichkeit gegeben, den Medienkonsum der eigenen Familie zu erörtern, zu reflektieren und gemeinsam mit anderen Eltern und der Projektleitung zu diskutieren.

 

 

RADIO IST MEHR ALS MUSIK - INHALTE UND ZIELE DES PROJEKTS

1. Inhalte

                        -  Sensibilisierung für einen bewussten Umgang mit auditiven Medieninhalten 


                        -  Kennenlernen der Radiolandschaft in Deutschland und ihrer 
unterschiedlichen Strukturen 


                        -  Produktion eines eigenen Hörspiels 


                        -  Technische Bedienkompetenz von Mikrofon und Computer 


                        -  Erlernen des Umgangs mit einem digitalen Schnittprogramm – Effekte, 
Montage, Schnitt 


                        -  Sprechen vor einem Mikrofon 


                        -  Emotionen mit Sprache ausdrücken 


                        -  Geräusche selbst produzieren 


                        -  Die Welt auditiv wahrnehmen und analysieren 


                        -  Erlernen einer begründbaren kritischen Bewertung                              von Medienproduktionen 
2. Ziele 


                        -  Reflexion des eigenen Mediennutzungsverhaltens 


                        -  Bewusste Wahrnehmung der eigenen Stimme und ihrer Wirkung auf andere 
– Förderung der Selbstwahrnehmung 


                        -  Bewusste Wahrnehmung der vielfältigen Klänge in                               der eigenen Lebenswelt 


                        -  Förderung der Kommunikationskompetenz über das Medium Sprache 


                        -  Förderung der emotionalen Ausdrucksfähigkeit über Sprache 


                        -  Sensibilisierung für die Wirkung von Klang und Sound in der Erfahrungswelt 
des Alltags und der Erfahrungswelt im medial-virtuellen Raum 


                        -  Die Manipulationskraft medialer Inszenierungen erkennen 


                        -  Entmythologisierung der Wirkungsweise digital hergestellter Sounds 


                        -  Befähigung zu einem kritischen und kreativen selbstbewussten Umgang mit 
auditiven Medienproduktionen 


 

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